Konzept,
Trägerverein Jugendheim Westhofen e.V.
Stand: 05.05.1999
4. Pädagogische Zielsetzung
§ 11 Jugendarbeit (KJHG)
Jungen Menschen sind die zur Förderung ihrer Entwicklung
erforderlichen Angebote der Jugendarbeit zur Verfügung
zu stellen. Sie sollen an den Interessen junger Menschen anknüpfen
und von ihnen mitbestimmt und mitgestaltet werden, sie zur
Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher
Mitverantwortung und zu sozialem Engagement anregen und hinführen.
Dieser Zielsetzung fühlte sich der Jugendtreff
Westhofen seit seiner Gründung verpflichtet. Wichtig
war immer, ein kontinuierliches und verlässliches Angebot
vorzuhalten. Die Planungen und Konzeptionen wurden prozesshaft
entwickelt und den gesellschaftlichen Entwicklungen angepasst.
Auch heute hat der Jugendtreff Westhofen den Auftrag für
alle Kinder und Jugendlichen, fühlt sich traditionell
jedoch insbesondere den sozial Benachteiligten verpflichtet.
Der Jugendtreff Westhofen will in seiner Einrichtung soziale
Strukturen schaffen, welche ein durch wechselseitige Wertschätzung
und Anerkennung als eigenverantwortliche und moralisch autonome
Individuen gekennzeichnetes Handeln ermöglichen.
Jugendliche sollen die Möglichkeit erhalten, ihre eigene
Handlungs- und Entscheidungsfähigkeit in kooperativen
Handlungszusammenhängen und somit sich selbst als handlungs-
und gestaltungsfähige Personen zu erfahren.
Sie sollen Erfahrungen der Teilhabe an egalitären Entscheidungsstrukturen
machen, in denen eigene Überzeugungen dargelegt und als
motivierte und begründete Stellungnahmen respektiert
werden. Erfahrungen der eigenen Stärken und der eigenen
Fähigkeiten dienen als Gegenerfahrungen zu gesellschaftlich
zugemuteten Ohnmachtserfahrungen. Kinder und Jugendliche sollen
durch Aktivitäten und Angebote zu einer umfassenden aktiven
Entfaltung eigener Fähigkeiten und Interessen aufgefordert
und angeregt werden. Ihnen werden Möglichkeiten geboten,
sich mit der eigenen Lebensgeschichte und Lebenssituation
reflexiv auseinander zu setzen sowie die eigene lebenspraktische
Zukunft bewusst zu entwerfen. Sie sollen soziale Beziehungen
erfahren, die sich durch Verlässlichkeit und Wahrhaftigkeit
auszeichnen.
An dieser Stelle soll besonders die Mädchenpädagogik
erwähnt werden. Mädchen im Alter von ca. 10 - 15
Jahren haben häufiger - im Gegensatz zu Jungen - das
Bedürfnis, unter sich zu sein. Um jedoch Ausgrenzung
zu vermeiden, soll auf die Einrichtung eines reinen Mädchentages
verzichtet werden. Statt dessen ist einmal wöchentlich
eine zweistündige Mädchen-Gruppe mit unterschiedlichen
Themenschwerpunkten geplant. Die Gleichstellung der Geschlechter
soll im täglichen Umgang miteinander erfahren und erlernt
werden. Mädchenarbeit wird ein integrativer Bestandteil
unserer Arbeit sein. Sie wird sich als Querschnittsaufgabe
in allen Angeboten und Projekten wieder finden (Lady-Fitness,
Computing, Internet für Mädchen, Kreativkurse u.ä.).
Interessen und Anliegen von Mädchen werden ernst genommen
und gemeinsam mit ihnen bearbeitet.
Ziel sozialpädagogischen Handelns muss
bei alledem zunächst das Verstehen der subjektiven Lebenswelt
der / des Jugendlichen sein. Merkmal einer suchtorientierte
Jugendarbeit ist eine Praxis der Anerkennung, Unterstützung
und Förderung der individuellen Stärken in einer
Atmosphäre wechselseitiger Wertschätzung. Subjektorientierte
Jugendarbeit zielt auf die Entfaltung verschütteter und
blockierter Fähigkeiten im Dialog mit einem höchstmöglichen
Maß an Partizipation und Eigenverantwortung.
Den Mitarbeiter/innen wird dabei ein permanenter Balanceakt
abverlangt: Einerseits die Bewahrung des Respekts vor dem
Eigensinn und der anzunehmenden Autonomie der Lebenspraxis
Jugendlicher und andererseits die Fähigkeit und die Bereitschaft,
regressive und destruktive Formen der Lebensbewältigung
zu erkennen, in Frage zu stellen und alternative Hand-lungsorientierungen
anzubieten.
Schließlich kann das Prinzip
der politischen Einmischung als ein grundlegendes Handlungsprinzip
gelten. Jugendarbeit hat die wichtige Funktion, solche Lebensbedingungen,
die Kinder und Jugendliche an der Entwicklung ihrer Fähigkeiten
hindern, aufzuzeigen.
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